Bei den Projekttagen des Gymnasiums Überlingen haben 37 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9 bis 13 in einem dreitägigen Planspiel eine Klimakonferenz der Vereinten Nationen gespielt.

Neben dem Generalsekretariat und vielen Ländern mit gegensätzlichen Interessen waren auch unterschiedliche Verbände vertreten.

Die Fotos und simulierten Presseartikel geben einen kleinen Einblick in das Planspiel. Selbst das Ergebnis war realistisch: Nach langem Verhandeln und Taktieren war nur ein Minimalkonsens erreichbar.

Ich danke allen beteiligten Schülerinnen und Schülern für ihr Engagement bis in den Nachmittag und meinen Kolleginnen, Frau Huber, Frau Scherer und Frau Zimmermann, für ihre tatkräftige Unterstützung!

Hans Weber

Pressemitteilung I

Der Bodensee-Blick

Unabhängige Tageszeitung, Ausgabe vom 9. November 2007

Klimakonferenz tagt erstmalig in Überlingen
Nachdem sich am Mittwoch morgen die verschiedenen Ländergruppen und die Vertreter der Verbände (Ökostrom, Greenpeace, Verband der Atomindustrie) formiert und in ihre Rollen eingearbeitet hatten, begannen schon am frühen Nachmittag die ersten (teils hitzig geführten) Verhandlungen zwischen den einzelnen Gruppen. Schließlich ging es um nicht weniger, als einen einstimmigen UN-Beschluss zum Thema Klimaschutz herbeizuführen.

(Hub/ Zi) Zäh rangen die einzelnen Delegationen um gemeinsame Verbündete und aus ihrer Sicht möglichst akzeptable Vorschläge, die der UNO-Versammlung später zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollten. Dies erwies sich in zweierlei Hinsicht als schwierig: zum einen müssen solche Beschlüsse von den UNO-Delegierten einstimmig beschlossen werden, zum anderen waren die einzelnen Länder natürlich bestrebt, ihre eigenen Interessen möglichst umfassend zu wahren. Dass z.B. die USA als weltweit größte Energieverbraucher kein großes Interesse an verbindlichen Richtlinien zur strikten CO2- Senkung hatten, versteht sich von selbst. Unterstützung erfuhren sie v.a. von der russischen Delegation, währenddessen die Niederlande anschlich verdeutlichten, dass ein Abwenden der drohenden Klimakatastrophe für sie von existentieller Bedeutung ist, steht ihnen doch das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Halse. Die Niederlande ihrerseits wurden unterstützt von Norwegen und insbesondere durch die Delegationen der Entwicklungs- und Schwellenländer, die naturgemäß einen schwierigen Stand hatten.
Zu einem ersten Eklat kam es am Donnerstagmorgen, als der Verband Ökostrom den Sitzungsraum der UNO verbarrikadierte und sogar dem UN-Generalsekretär den Zutritt verweigerte. Letzterer sah sich genötigt, den Verband Ökostrom von der weiteren Sitzung auszuschließen, woraufhin sich dieser empört an die Presse wandte. Sie kritisierten v. a. die gewaltsame Auflösung der friedlichen Demonstration.
Nachdem die einzelnen Länderdelegationen in der UNO-Vollversammlung ihre Positionen und Forderungen unmissverständlich dargelegt hatten und gerade das Hearing der Expertenverbände begann, kam es zu einer erneuten massiven Störung der Sitzung. Die zuvor von Greenpeace mobilisierten Atomkraftgegner veranstalteten vor dem Sitzungsraum eine Demonstration, innerhalb derer sie ihren Forderungen „Stopp Aromkraft“ mit Nachdruck und lautstark Ausdruck verliehen. Sie bezeichneten Länder wie Russland, USA und China als „Umwelt-Mörder“ und skandierten „Zieht dem Putin die Lederhose aus“.
In diesem Tumult und in einer der aufregendsten Vollversammlungen der UN ging die Beschlussfassung, um die lang und zäh gerungen wurde, zunächst fast unter.
Über eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien wurde zunächst keine Einigung erzielt. Ebenso setzte sich der Beschlussvorschlag, dass nur in Staaten, die bereits 2007 über AKWs verfügen, weitere bauen dürfen, nicht durch.
Hier offenbarten sich besonders tiefe Gräben zwischen den Industrienationen und den Entwicklungs- bzw. Schwellenländern.
Es konnte lediglich eine Einigung über eine Empfehlung dahingehend erzielt werden, dass die Teilnehmerstaaten grundsätzlich die Reduktion des weltweiten CO2-Ausstoßes anstreben. Auch wurde vereinbart, dass ab 2013 keine weiteren AKWs gebaut werden dürfen.
Ein Vorschlag für Richtwerte über erlaubte CO2-Emissionen und deren Berechnung wurde auf den nächsten Sitzungstag verschoben. Außerdem wolle man noch ein Hearing der Verbände für Ökostrom und Greenpeace bezüglich konkreter Maßnahmen nachhaltiger Energiegewinnung und –nutzung veranschlagen.

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Pressemitteilung II

Der Bodensee-Blick

Unabhängige Tageszeitung, Ausgabe vom 10. November 2007

Nach zähem Ringen endlich Einigung auf UNO-Klimagipfel

Nach dreitägigem Ringen, etlichen Skandalen (wir berichteten) und nervenaufreibenden Verhandlungen und Diskussionen, endete heute der UN-Klimagipfel im beschaulichen Örtchen Überlingen doch noch überraschend mit einer gemeinsamen Beschlussfassung.

(Hub/ Zi) Nach den Skandalen der letzten Tage hatten sich über Nacht die Wogen spürbar geglättet. Nachdem am Vortag auf Grund heftig ausgetragener Meinungsverschiedenheiten keine Einigung erzielt werden konnte und der Gipfel vertagt werden musste, zeigten sich die einzelnen Parteien gestern unerwartet kompromissbereit.

Der gemeinsame Vorschlag von Seiten Russlands und den USA über eine Berechnungsformel für die Festlegung absoluter Mengen des CO2-Austoßes, die dem Entwicklungsgrad des Landes, der Größe und der Bevölkerungszahl Rechnung trägt, wurde von den Konferenzteilnehmern angenommen unter der Prämisse eines möglichen Emissionshandels zwischen den Staaten.

Nach dem Hearing des Ökostromverbands und Greenpeace sowie kurzen Beratungen konnte man sich schließlich darauf einigen, dass zukünftig jährlich ein Treffen durchgeführt wird, um den erreichten Fortschritt zu überprüfen. Außerdem verpflichteten sich die Industrieländer unterentwickelten Staaten Finanzhilfen zur Umsetzung der Vorschläge entsprechend des Verbands für Ökostrom zu gewähren. Darüber hinaus einigte man sich auf eine Empfehlung, die Effizienz zur Nutzung erneuerbarer Energien zu steigern, die bis 2040 ernsthaft angestrebt werden sollte.

Wie üblich zeigte es sich, dass der große Wurf, der in Anbetracht der Ernsthaftigkeit unserer momentanen Lage dringend notwendig gewesen wäre, mal wieder nicht geglückt ist, man sich auf keine verbindlichen Regelungen und Werte einigen konnte und wiederum nur der kleinste gemeinsame Nenner verwirklicht wurde. Noch immer werden die Landesinteressen über die globalen gestellt. Wann findet endlich ein Umdenken in der Staatenwelt statt?
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Pressemitteilung III

BAMS - Der Bodensee am Sonntag

Unabhängige Wochenzeitung, Ausgabe vom 11. November 2007

Überlingen geht in die Geschichte ein

Genauso bunt wie sich die Delegierten der UN-Vollversammlung zum Thema Klimaschutz präsentierten, so aufsehenerregend gestaltete sich auch die Beschlussfassung.

(Zi) Die letzte Konferenz der UNO zum Thema Klimaschutz wird sicherlich in die Geschichte eingehen. Das Thema: Klimaschutz, Ziel: einstimmig verbindliche Beschlüsse zum Schutz unserer Erdatmosphäre zu verabschieden. Selten wurde ein Thema mit solchem Interesse und Zielstrebigkeit verfolgt.

Dieser UN-Gipfel wird mit Sicherheit in die Geschichte eingehen. Da grenzen sich zunächst die Delegierten der saudi-arabischen Gesandtschaft ab und zeigen den anderen Nationen, dass ein König in Amt und Würden auch den entsprechenden Respekt verdient. Da tun sich zunächst die großen und sich einst unversöhnlich gegenüberstehenden Weltmächte USA und Russland zusammen und demonstrieren freundschaftliche Verbundenheit. Darüber tut die chinesische Delegation ihren Ärger öffentlich kund über diese neue Verbundenheit, diese reine Zweckverbindung, die ja doch eher einer Scheinehe gleicht.

Es veranstalten Vertreter des Verbands Ökostrom zu Beginn des zweiten Verhandlungstages einen Sitzstreik, indem sie sich an den Eingang des UNO-Sitzungsraums fesseln und somit allen Verhandlungsparteien den Zugang versperren, um auf die Bedeutung und die Notwendigkeit zur Nutzung von erneuerbaren Energien aufmerksam zu machen. Daraufhin schließt ein UN-Generalsekretär genannte Gruppe von der folgenden Sitzungsphase aus, woraufhin die Ökostrom-Vertreter mit massiven Vorwürfen (v.a. gegen Russland und die USA) an die Öffentlichkeit gehen, indem sie die Presse einschalten. Unterstützung finden die Befürworter der erneuerbaren Energien von Norwegen und den Niederlanden, da zumindest letzteren das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Halse steht.

Die chinesische Delegation hingegen nutzt die Möglichkeit, für kulturelle Vielfalt zu werben, indem sie (in traditionellem Outfit) gleichzeitig für die asiatische Esskultur wirbt (siehe die neue modische Hochsteckfrisur, befestigt mit dem traditionellen Essbesteck, hierzulande auch in Folgende mangelnder Kenntnisse und vereinfacht als „Stäbchen“ bezeichnet).
Da zeigt sich, dass sich auch die Russen ihrer Fellmütze entledigen müssen, da sich diese gerade im Rahmen der globalen Erwärmung als überflüssig erweist. Äthiopien zeigt den Industrienationen die Zähne und spielt seine Vetomacht aus, um eindrucksvoll die Interessen der Entwicklungsländer zu unterstreichen.
Greenpeace veranstaltet eine angekündigte Demonstration vor dem Saal der UNO, die sich genötigt sah, auf Grund der Lautstärke und Überzeugungskraft der Forderungen („Stopp Aromkraft“, „Umwelt-Mörder“ und „Zieht dem Putin die Lederhose aus“) ihre Sitzung zu unterbrechen.

Kurzum: die Szenen, die sich im Rahmen dieser UN-Versammlung abspielten waren denkwürdig und eventuell von entscheidender zukunftsweisender BedeutungUmso erstaunlicher, dass sich die UNO im Vorfeld für einen außergewöhnlichen Konferenzort entschieden hat, der bislang im internationalen Rahmen noch keine Rolle gespielt hatte: Es handelt sich um das Gymnasium in Überlingen. Vielleicht bedürfen denkwürdige Ereignisse auch außergewöhnlicher Orte?
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